Wie ist so eine Session überhaupt aufgebaut und wie plane ich das?

Ich denke nicht, dass es auf diese Frage eine allgemein gültige Antwort gibt. Ich kenne BDSMler, die ihre Sessions immer stark „skripten“, also vorher einen genauen Ablauf planen, genauso wie ich viele kenne, die immer spontan und flexibel sind und meistens nicht einmal genau sagen können, wann denn Anfang und Ende eines Spiels war. Mal wieder gilt in meinen Augen die Grundregel: Es ist das erlaubt, was sich für alle Beteiligten gut anfühlt. Dies gesagt möchte ich aber dennoch erwähnen, dass es durchaus „klassische“ Sessions gibt, die also tatsächlich nach einem gewissen Schema aufgebaut sind. Man könnte fast sagen, sie sind ein bisschen wie ein guter Schulaufsatz: Mit Anfang, Hauptteil und Schluss. Zu Beginn stellen sich beide auf die bevorstehenden Praktiken ein, finden in die entsprechende Stimmung, stellen sich aufeinander ein oder nutzen gewisse Rituale. Beispielsweise wird ein Halsband angelegt, Outfits werden gewechselt, man geht in einen anderen, dafür vorgesehen Raum und so weiter. Die Möglichkeiten, in die Stimmung für eine Session zu finden, sind unbegrenzt und obliegen der eigenen Kreativität – Ziel ist es hier hauptsächlich, vom Alltag in die Session zu gelangen. Mit „Alltag“ meine ich hier nicht nur Paarkonstellationen, die zusammen wohnen, sondern jeden für sich: Für eine Session kann es essentiell sein, dass beide aus ihrem eigenen Alltag heraus in eine entsprechende Stimmung finden (mehr dazu auch im Kapitel: „Wie kann ich mich konkret/mental/emotional auf eine Session vorbereiten?“).

Der Hauptteil ist dann die Session selbst, also alle Praktiken, die eben „anstehen“ (siehe entsprechende Kapitel). Der Schluss wiederum kann unterschiedlich definiert werden, abhängig davon, wie die Session aufgebaut ist: Für manche ist der Orgasmus der Schluss, andere spielen mit der Keuschhaltung – da wäre ein Orgasmus nicht gerade zielführend. Was (in welcher Form auch immer) zum Schluss, zum Ende dazugehört, ist die Aftercare – also das Sicherstellen, dass es auch nach der Session beiden, aber grundsätzlich Sub gut geht (siehe Kapitel „Aftercare“).


Wer schon in der Schule mit „Anfang, Hauptteil, Schluss“ nicht viel anfangen konnte und eher Team „ich schreibe drauf los“ ist, der oder die ist vermutlich besser bedient, wenn er seiner Kreativität freien Lauf lässt. Ich kenne viele Femdoms, die aus den spontansten Situationen heraus schöne Spiele entstehen lassen, sich auf der Couch die Füße massieren lassen, nur um fünf Minuten später ihr Gegenüber anzuweisen, auf dem Boden zu knien, um… nun, ihr versteht, worauf ich hinauswill.

Wenn ihr unsicher seid und euch eine gewisse Planung Sicherheit gibt, dann findet euren eigenen Weg dahin: Hilft es euch, eine Session im Kopf vorher durchzugehen? Hilft es euch, aufzuschreiben, was ihr vorhabt? Hilft es euch, den Rahmen zu notieren: Also aufzuschreiben, was infrage kommt, was Tabus sind und was definitiv beide kickt, um dann aus dieser Liste spontan auswählen zu können? Vielleicht schreibt ihr gern Listen? Dann könntet ihr notieren, was ihr alles an Utensilien braucht. Vielleicht ist es auch eine Mischung: Ich zum Beispiel mag grundlegend Sicherheit und Pläne, bin also gern vorbereitet und weiß ganz ungefähr, was ich vorhabe. Bin aber so flexibel und spontan, dass ich diesen Plan bei Bedarf anpassen kann. Meine Erfahrung ist: Diese Flexibilität kommt mit der Erfahrung, mit der Routine. Zu Beginn hat mir gute Vorbereitung immer eine gewisse Sicherheit gegeben und damit auch sehr geholfen.

Wichtig ist es, mal wieder, auszuprobieren, um herauszufinden, was für euch und euer Gegenüber passt. Ganz sicher kann ich sagen: Mit der Routine kommt die Sicherheit und mit der Sicherheit kommt der Spaß.

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