Wie breche ich eine Session ab?

Ein wichtiger Anruf kommt dazwischen, ein Fehler bringt euch aus dem Konzept, ihr habt den Eindruck, eurer submissives Gegenüber überschätzt sich oder dass es ihm nicht gut geht, ein ungutes Gefühl entsteht und ihr schafft es einfach nicht, in die Stimmung zurückzufinden: Was dann? Wie bricht man eine Session vorzeitig ab?


  1. Er: Störende Elemente des Gegenübers/ Topping from the Bottom, usw.

Eher selten, aber nicht zu unterschätzen, ist die Situation, dass euer submissives Gegenüber etwas macht, das euch stört. Beispielsweise eine besonders ausgeprägte Form von „Topping from the bottom“ (siehe dazu das entsprechende Kapitel). In den meisten Fällen handelt es sich um Kleinigkeiten, Momentaufnahmen, die man gut übergehen kann.

Sollte es aber etwas sein, dass euch ernsthaft aus dem Konzept bringt, euch die Stimmung verdirbt, die Lust nimmt oder auf sonstige Art dazu führt, dass ihr nicht mehr weitermachen wollt, dann sprecht es direkt an. Wichtig ist hier, darauf zu achten, dass ihr dennoch die Session in irgendeiner Form offiziell beendet, um für das Gespräch Augenhöhe herzustellen. Wenn ihr direkt aus der Session in das Gespräch geht, ist oft nicht klar, ob das Machtgefälle (und vielleicht damit einhergehende Regeln) noch gilt. Das ist wichtig, weil ihr vermeiden solltet, dass sich Session und Realität mischen:

Wenn ihr wirklich eine Beanstandung habt in Bezug auf sein Verhalten oder den Ablauf der Session, eine zwischenmenschliche Reibung, dann kommuniziert das außerhalb der Session von Partnerin zu Partner oder von Mensch zu Mensch und NICHT von Dom zu Sub. Dom lässt sich sonst zu schnell verleiten, persönliche, reale Schwierigkeiten strafend zu kommunizieren und Sub kommt dann zu leicht in die Situation, nicht mehr unterscheiden zu können, ob eine Strafe, eine negative Reaktion, ein wütender Gesichtsausdruck gerade sexuell erregen darf oder ernst genommen werden sollte.

ERINNERUNG: Es ist ein sexuelles Rollenspiel, das beiden Lust bereiten soll und keinesfalls zu Streit führen sollte. Vielleicht beruht alles auf einem Missverständnis, das leicht aus der Welt zu schaffen ist. Versucht, nicht mit stark negativen Gefühlen ein Nachgespräch zu führen.

2. Ich: Eigene Unsicherheit/ Unwohlsein

Wenn ihr selbst aus welchem Grund auch immer eine Unsicherheit spürt, die einfach nicht verschwinden will, die sich nicht überspielen lässt oder ihr euch unwohl fühlt, vielleicht auch gedrängt oder überfordert fühlt, dann ist auch hier die Entscheidung wichtig: Halte ich es aus, weil ich glaube, es wird noch besser? Kommuniziere ich es direkt? Oder breche ich ab und kommuniziere im Anschluss. Meine Empfehlung: Auch solche Gespräch würde ich auf Augenhöhe führen und für die Augenhöhe muss ich das Machtgefälle verlassen. Es gilt also auch hier: Am besten gar nicht erst in die Anspruchshaltung sich selbst gegenüber kommen, etwas „aushalten“ zu müssen. BDSM hat nichts mit „aushalten“ zu tun - für keinen von beiden. Wenn ihr keinen Spaß (mehr) habt, dann brecht ab und sprecht darüber, warum ihr keinen Spaß hattet. Erst wenn ihr das herausgefunden habt, gelingt euch in Zukunft ein lustvolles Spiel.

3. Wie breche ich nun die Session ab?

Es gibt ein paar Dinge, die man beachten kann, um sanft aus der Session herauszuführen:


  1. Handlung sanft unterbrechen: Ihr könntet dazu beispielsweise ruhig und beherrscht die aktive Handlung abbrechen, Fixierungen lösen, Augenbinden entfernen oder anderweitig die tatsächliche Situation auflösen. Achtet dabei darauf, eure Handlungen wirklich langsam auszuführen und unterschätzt nicht, dass euer Gegenüber vielleicht in einem völlig anderen emotionalen und vielleicht auch körperlichen Zustand ist als ihr. Sprecht dabei am besten immer laut aus, was ihr gerade macht, damit er sich innerlich darauf einstellen kann. BEISPIEL: „Okay, nicht erschrecken, ich werde dir jetzt die Augenbinde abnehmen und die Fesseln lösen. Ich glaube, es wäre besser, wenn wir mal kurz Pause machen.“

  2. Zeit: Gebt ihm anschließend ein paar Augenblicke, um aus der Rolle herauszufinden - denkt daran, dass ihr gedanklich einen Vorsprung und innerlich die Session bereits beendet habt.

  3. Umfeld ändern: Anschließend wechselt ihr zum Beispiel den Raum, bereitet etwas zu trinken vor, zieht euch etwas anderes an oder sorgt in einer anderen Form dafür, dass der Rahmen sich sicht- und spürbar ändert. Das macht es leichter, sich aus der Rolle wieder in eine Situation auf Augenhöhe einzufinden. Manchmal (je nach emotionaler Situation) kann es auch stimmig sein, zwischen Session und Gespräch eine Runde an die frische Luft zu gehen oder anderweitig „runterzukommen“ und die eigenen Gedanken zu ordnen. Wichtig ist es, einen völlig anderen, nicht mit der Session assoziierten Reiz zu setzen.

  4. Abstand: Im Zweifel (falls ihr merkt, es fällt eurem Gegenüber schwer, den Modus zu wechseln), gebt euch beiden einen zeitlichen Abstand. Geht spazieren, kocht etwas, macht zwischendurch etwas ganz anderes und setzt euch dann, anschließend wieder zusammen, um darüber zu sprechen.

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