Ich bin zu fixiert auf (m)eine sexuelle Fantasie!

Erst einmal ist es wichtig zu wissen, dass die Steigerung der sexuellen Erregung durch "Kopfkino", also Fantasien, die man vor dem inneren Auge ablaufen lässt, völlig normal ist - gänzlich unabhängig davon, was diese Fantasien darstellen!

Wer nur noch durch zusätzliche Stimulation durch diese Fantasien zum Orgasmus kommt, kann darunter aber leiden, weil er oder sie gern mehr im Augenblick und vor allem mehr beim Gegenüber wäre. Sollte das der Fall sein, gibt es zwei Richtungen, die vorliegen können (oder eine Mischung aus beiden):


Entweder die Fantasie ist so zur Gewohnheit geworden, dass unser Gehirn quasi darauf trainiert wurde.

Oder in der tatsächlichen Sexualität fehlt so viel, dass die konkrete Stimulation mir nicht mehr genügt.


Natürlich kann auch eine Mischung aus beiden vorliegen, aber es kann hilfreich sein, eine Tendenz zu haben: Bin ich so auf diese eine Fantasie fixiert, dass ich sie brauche? Fehlt mir in meiner Sexualität etwas? Berührt mich mein Gegenüber auf eine lustbringende Art? Wünsche ich mir eigentlich etwas anderes? Usw.

Wenn ihr immer dieselbe Fantasie nutzt und diese Fantasie auch in der Selbstbefriedigung relevant ist, kann das darauf hindeuten, dass ihr ein wenig zu sehr an sie gewohnt seid. Wenn ihr euch in unterschiedlichen Fantasien verliert, auch in der Paarsexualität, die Fantasien aber variieren, dann kann das ein Zeichen dafür sein, dass euch etwas fehlt, das euer Unterbewusstsein in der Paarsexualität mit einer Fantasie automatisch ausgleicht.


Wenn ihr zu sehr an eine Fantasie gewöhnt sein, geht es darum, sich erst einmal zu "entwöhnen". Am besten macht ihr das langsam und gebt eurem Gehirn Zeit, sich umzustellen. Übt das zuerst in der Selbstbefriedigung statt direkt in der Paarsexualität. Lasst den Ablauf so wie ihr ihn gewohnt seid, beginnt mit der entsprechenden Fantasie und wenn ihr kurz vor dem Orgasmus seid, "wechselt ihr den Kanal". Das kann metaphorisch für das Kopfkino stehen - ihr ändert also einfach die Bilder, die in eurem Geist ablaufen. Oder wortwörtlich, indem ihr einen anderen Porno laufen lasst. Als Tipp: Sucht euch schon vorher etwas aus, um nicht währenddessen erst anfangen müssen zu suchen. Seid hier zudem realistisch: Es geht nicht darum, euer Gehirn bzw. euer sexuelles Verlangen auf eine Kochsendung umzustellen. Wandelt die ursprüngliche Fantasie ab, nehmt etwas ähnliches, nehmt etwas, das euch auch erregt, aber vielleicht etwas weniger, usw. Oder lasst einfach die Fantasie weg und schaut, was passiert, wenn ihr die körperliche Stimulation weiterführt ohne an etwas zu denken, bzw. euch dabei bewusst auf euren Körper zu konzentrieren. Alternativ könnt ihr das auch variieren: Statt erst am Ende die Fantasie zu wechseln, könnt ihr währenddessen immer wieder hin und her springen oder ihr beginnt mit einer anderen Fantasie, wechselt in der Mitte und später wieder zurück. Seid kreativ und schaut, was euch gut tut und was nützt. Diesen Vorgang solltet ihr regelmäßig üben, um in eurem Gehirn neue Verbindungen zu knüpfen, die es dann in der Paarsexualität leichter abrufen kann.

Solltet ihr immer unterschiedliche Fantasien haben und eher zu dem Schluss kommen, in eurer Paarsexualität fehlt euch etwas, dann gilt es, zuerst herauszufinden, was euch konkret fehlt: Ist es etwas Körperliches, etwas Emotionales oder etwas Inhaltliches? Der "emotionale Mangel" kann sich beispielsweise darin zeigen, dass ihr Gefühl für einen anderen, dritten Menschen habt, an der ihr in eurer Paarsexualität immer denken müsst. Was auch immer der emotionale Mangel ist: Hier gibt es keine Patentlösung. Es hängt von vielen Faktoren ab, wie ihr damit umgehen könnt. Im Zweifel ist Kommunikation immer ein guter Weg.


Der "physische Mangel" zeigt sich oft darin, dass ihr euch insgeheim wünschen würdet, euer Gegenüber würde euch anders berühren bzw. ihr merkt, dass die Berührungen eures Gegenüber euch nicht genügen, um ausreichend sexuelle Erregung zu empfinden. Auch hier ist der beste Rat: Kommunikation! Versucht, Schritt für Schritt ehrlich zu sein und eurem Gegenüber mitzuteilen, was euch fehlt. Achtet dabei darauf, nicht negativ zu formulieren ("du machst nie..."), sondern positiv ("Manchmal fände ich es schön, wenn...").


Der "inhaltliche Mangel" liegt vor, wenn ihr Neigungen oder Wünsche habt, die ihr in eurer Paarsexualität nicht auslebt. Geht es um Fetische? Um BDSM? Um den Wunsch nach Unterwerfung? Habt ihr Gewaltfantasien? Fantasien, für die ihr euch schämt? Auch das ist möglich und normaler als ihr vermutlich denkt. Für so ziemlich alle Fantasien gibt es Möglichkeiten, sie zumindest zu einem Teil auszuleben oder sogar in die Paarsexualität einzubauen. Sogar hier ist ein erster Schritt: Kommunikation!



 

Wenn ihr weiterhin Schwierigkeiten mit diesem Thema habt, meldet euch gern. Ich biete auch hier therapeutische Ansätze, Coachings, Einzel- und Paarsitzungen oder Kurzinterventionen an. Vor Ort in Dresden oder online/telefonisch.


Einfach eine Mail an kontakt@geführtesexualität.de







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