Alternative Sexualität #1 - Blowjob


Der Blowjob scheint inzwischen eine gängige Sexualpraktik zu sein, über die man offen sprechen kann. Sogar Deepthroat ist kein Tabuthema mehr, das das eigene Porno-Verhalten outet, sondern wird in Social Media-Posts zusammen mit der Frage diskutiert, wie man es lernen kann. Das sind großartige Fortschritte innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit!

Dennoch hat das Thema seine Grenzen: Blowjobs und Deepthroat gehören zur Sexualität des 21. Jahrhunderts scheinbar dazu. Wer es noch nicht beherrscht, kann es lernen, und alle, die es nicht mögen, werden auf Konsens verwiesen mit der Message: Mach nur das, was dir gefällt!


Die inzwischen so offene Debatte hört an diesem (durchaus wichtigen) Punkt allerdings auf. Dem Punkt, an dem jemand sagt: „Es gefällt mir so nicht“ oder „mit einem Teil davon habe ich Schwierigkeiten“. Denn was sind die Alternativen zu einem Blowjob? Ich habe auf meinen Social Media Kanälen Umfragen gestartet und eine Menge Antworten erhalten auf die Frage „Was fällt euch schwer bzw. was sind für euch ambivalente Gefühle bei einem Blowjob?“

Die Antworten waren zahlreich, manche sehr individuell, manche kamen mehrfach. Ich möchte hier eine zusammengefasste Liste als Eindruck wiedergeben:


Aktiv/gebend:

  • ich möchte ihn zwar mit dem Mund stimulieren, aber den Penis nicht aufnehmen

  • Ich mag seinen Geruch, aber seinen Geschmack weniger

  • Ich habe Schwierigkeiten, herauszufinden, wie ich es richtig mache

  • Ich möchte, dass er Deep Throat erlebt, will aber nicht selbst machen

  • Ich spüre immer das Bedürfnis, zuzubeißen oder ihm dabei ein wenig Schmerz zuzufügen

  • Ich mag Blowjobs, aber nur wenn ich so tun kann, als wäre ich jemand anders

  • Ich stehe unter Druck, weil ich immer glaube, ich muss dabei auch stöhnen und sexy klingen

  • Mein Kiefer sperrt sich irgendwann und ich schaffe es oft (rein physisch) nicht zum Ende

  • Es geht meist darum, effektiv zu sein - das setzt unter Druck

  • Ich mag den Geschmack von Sperma nicht

  • Ich habe Schwierigkeiten zu kommunizieren, was ich mag

Passiv/empfangend:

  • Ich kann mich dabei nicht fallen lassen, weil ich denke, es muss mir jetzt gefallen

  • Ich bleibe dabei nicht hart

  • Ich kann dabei nicht kommen

  • Ich komme dabei zu schnell

  • Ich habe Angst, in ihrem Mund zu kommen

  • Ich habe Angst, übergriffig zu sein/ ich fühle mich übergriff, wenn sie ihn in den Mund nimmt

  • Ich habe Schwierigkeiten zu kommunizieren, was ich mag

  • Ich kann mich dabei nicht fallen lassen, weil ich denke, es muss mir jetzt gefallen

Um also die inzwischen offene Debatte über Blowjobs und Deep Throat zu erweitern, möchte ich einen Schritt weiter gehen und nicht nur darüber sprechen, was und wie ich es tun kann, wenn ich Lust darauf habe, sondern auch, was ich tun kann, wenn ich oder mein Gegenüber keine Lust darauf oder Schwierigkeiten damit haben, aber gern etwas ähnliches machen würden. Ich möchte die Frage beantworten, welche Alternativen es zu Blowjobs gibt, an die wir vielleicht überhaupt nicht denken.

Alternativen zu Blowjobs


  1. Art und Weise ändern Wenn ihr ihn gern mit Mund oder Zunge verwöhnt, aber ihn nicht direkt aufnehmen möchtet, gibt es andere Möglichkeiten. Das typische „Saugen“ ist kein Muss! Vielleicht küsst ihr ihn einfach liebevoll an unterschiedlichen Stellen, fahrt mit der Zunge über seine Haut oder variiert und wechselt zwischen Zunge und Hand bzw. Fingern. Zusätzlicher Tipp: Macht es zum Spiel und verbietet ihm zu kommen. Er soll stattdessen nur genießen. Dann gibt es ausschließlich sanfte, vereinzelte Berührungen mit den Lippen und der Zungenspitze.

  2. Stelle ändern Wenn es euch gefällt, ihn ausgiebig aufzunehmen, ihr seinen Geschmack und Geruch genießt, aber die klassische „auf und ab“ Bewegung nicht mögt (beispielsweise auch bei Schwierigkeiten mit dem Kiefer, usw.), dann weitet euren Raum einfach aus. Vielleicht legt er sich auf den Rücken, stellt die Beine auf und ihr habt ungehindert Zugang zu seinem Intimbereich. Nicht nur der Penis kann hier eine Rolle spielen, auch das vorsichtige Lecken/Saugen der Hoden kann sehr intensiv sein (Rücksprache halten! Hier empfindet jeder Mann anders). Ihr könnt auch die Dammregion mit einbeziehen, also die Stelle zwischen Hoden und After. Direkt darunter liegt der innen liegende Part des Schafts - bei Berührung werdet ihr also quasi die innere Erweiterung des erigierten Penis spüren, der bei Druck und Stimulation ähnlich reagiert wie der sichtbare äußere Teil.

  3. Erweiterung des Raums Wenn ihr möchtet, könnt ihr auch die gesamte Region erweitern, statt euch nur auf Penis und vielleicht Hoden und Damm zu beschränken. An dieser Stelle kommt beispielsweise Rimming ins Spiel, also die Stimulation von Anus und oft auch der Dammregion mit der Zunge. Hygiene spielt hier eine große Rolle: Wenn ihr nur den äußeren Bereich mit der Zunge stimuliert, genügt es in der Regel, wenn der Bereich vorher gründlich gereinigt wurde. Möchte man mit der Zunge penetrieren, dann ist eine Darmspülung vorab zu empfehlen. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass der Darm nicht zwangsläufig krankheitserregende Keime oder gar Viren enthält, sondern das ganz von der Darmflora abhängt. Der Anus ist eine unterschätze erogene Zone vieler Menschen und wird leider meist mit schlichtem Analverkehr in Verbindung gebracht. Zudem liegt der Fokus hier häufig bei der Frau als passivem Part - aber auch und gerade Männer (durch die Prostata) sind oft ausgesprochen empfänglich für Stimulation in diesem Bereich. Ihr könntet ihm auch eine Prostatamassage geben und sie mit der oralen Stimulation am Penis verbinden oder ihr stimuliert ihn einfach nebenbei mit dem Finger bzw. massiert den äußeren Schließmuskel.

  4. Kontext ändern Auch für all jene, die große Schwierigkeiten mit dem Kontext haben, aber Blowjobs eigentlich genießen, gibt es Alternativen. Damit meine ich Männer, die internalisiert haben, dass ein Blowjob die Frau degradiert oder übergriffig ist bzw. die sich in gewisser Weise schlecht dabei fühlen. Und Frauen, die sich innerlich gedemütigt, überfordert oder unter Druck gesetzt fühlen, die Handlung selbst aber gern machen. Hier gilt es zuerst, den Kontext zu ändern, also ein kleines Machtgefälle herzustellen - zugunsten des aktiven Parts. Die Idee dahinter kommt aus dem BDSM, muss aber mit BDSM selbst überhaupt nichts zu tun haben. Wenn ihr als Frau also das Bedürfnis habt, euch von dem (Leistungs-)Druck zu befreien, euch überlegen zu fühlen, oder ihr euch als Mann einen besseren Umgang mit dem Gefühl, übergriffig zu sein, wünscht, dann sprecht zuerst mit eurem Gegenüber darüber und überlegt euch gemeinsam, wir ihr vielleicht in einem abgestimmtem Rahmen ein einvernehmliches Machtgefälle herstellen könnt. Dazu kann es schon reichen, dass ihr eure Position ändert: Viele geben Blowjobs im Knien, während er steht. Ihr könntet den Mann auch auf den Rücken legen und euch auf ihn setzen, entweder mit dem Gesicht zu ihm oder sogar mit dem Rücken zu ihm. Wenn ihr euch mit dem Rücken zu seinem Gesicht setzt, wäre die „69“ (euch dabei oral stimulieren zu lassen) zwar naheliegend, aber für das Machtgefälle könntet ihr absichtlich darauf verzichten - ihn also „zappeln“ lassen. Ihm sozusagen „zeigen, was so nah ist, was er eigentlich haben könnte, aber gerade nicht bekommt“. So erlangt ihr als aktiver Part spielerisch die Führung. Eine weitere Variante hierfür kann es sein, ihn auf einem Stuhl Platz nehmen zu lassen und ihn anzuweisen, die Hände auf den Rücken zu nehmen. Jedes Mal, wenn er seine Hände bewegt/ nach vorn nimmt/ etwas Beliebiges anderes macht, hört ihr auf. Führt eine solche Regel ein, vielleicht sogar eine, die er definitiv irgendwann brechen wird: So könnt ihr zwischendurch spielerisch mit eurer Stimulation aufhören und „müsst dann leider“ wieder von vorn beginnen. Solche oder ähnliche Spiele führen zu einem leichten Machtgefälle und damit dazu, dass man als gebender Part die volle Kontrolle über die Situation hat, meist sogar das Gefühl der sexuellen Überlegenheit gewinnt, was dem klassischen „Blowjob-Gefühl“ vieler Menschen eher widerspricht. Als Mann ist es in einem solchen Kontext kaum möglich, sich überlegen zu fühlen oder unterbewusst Angst zu haben, man würde die Frau degradieren, weil sie die Stimulation eher als Spiel einsetzt und die Kontrolle über die Situation hat. Wichtig bei solchen Kontextänderungen ist es, vorher (!) darüber zu sprechen und einvernehmliche Absprachen zu treffen, sowie sich anschließend gegenseitig Feedback zu geben.

  5. Motivation oder Ziel ändern Viele Menschen haben ein großes Thema mit Leistungsdruck, wenn es um Blowjobs geht. Gerade durch die offenere Debatte sowie uneingeschränktem Zugang zu Pornos gehört der Blowjob zur Sexualität vermeintlich dazu und darüber hinaus sollte man Techniken wie Deep Throat beherrschen, um „mithalten“ zu können. Für den Mann ist es ähnlich schwierig, denn der Blowjob gilt weiterhin als eine Art der sexuellen Stimulation, die von ihm erwartet, erregt zu sein und dann eben auch zügig zum Orgasmus zu gelangen. Wenn er Schwierigkeiten hat zu kommen oder gar eine Erektion zu bekommen, entstehen bei ihm oft Versagensängste und beim gebenden Part Gefühle der Unzulänglichkeit und der Abweisung. Beide verstärken sich gegenseitig und man findet sich schnell in einem Teufelskreis. Wichtig ist hier, aus eben diesem Teufelskreis auszusteigen. Entweder durch neue Erkenntnisse in der Kommunikation: Beispielsweise könnte es der Fall sein, dass die Technik nicht ganz ideal war, die Stellung unbequem, die Situation die Falsche oder einer von beiden die Sache an sich einfach nicht gern macht. In diesen Fällen ist die Lösung naheliegen und pragmatisch umzusetzen. Wenn all das nicht der Fall ist, gilt es, den Druck aufzulösen. Ein Versuch wäre hier die Änderung der Motivation bzw. des Ziels. Fragt euch zuerst (jeder für sich), warum ihr Blowjobs gebt bzw. empfangt. Gefällt es euch? Möchtet ihr etwas erreichen? Möchtet ihr eurem Gegenüber etwas zeigen? Was passiert in euch, wenn die gewünschte Reaktion nicht eintritt? Wenn euch das Beantworten solcher Fragen schwerfällt, könnte die Lösung in einem Experiment liegen: Verbietet ihm die Erektion oder den Orgasmus. Wenn er Schwierigkeiten hat, die Erektion zu halten, dann macht vorab aus, dass heute die Erektion verboten wird. Das bedeutet, sobald er hart wird, hört ihr auf. Konkret geht es hierbei darum, herauszufinden, welche Handlungen, Stimulationsarten und Bewegungen EUCH (als gebendem Part) gefallen - unabhängig von seiner Reaktion! Nehmt also an, es gehe nicht um SEINE Erregung, sondern um eure Freude an der Handlung. Hier wäre seine Erektion zweitrangig, ihr könnt sie also spielerisch verbieten. Probiert euch aus, während sein Penis nicht erigiert ist und sobald er es wird, weicht ihr aus und stimuliert andere Körperstellen, massiert oder streichelt ihn. Für den Mann kann es gewinnbringend sein, auf den Druck zu verzichten, eine Erektion haben zu müssen, und sich stattdessen auf die Empfindung zu konzentrieren. Viele Männer mit diesem Thema fokussieren sich ausschließlich auf die Erektion und können die eigenen Empfindungen dabei nur schwer beschreiben, weil sie nie gelernt haben, darauf zu achten. Wie fühlt sich ihre Zunge an? Welche Stelle mag ich besonders? Usw. Ein weiterer Schritt wäre das Verbot des Orgasmus - der Penis darf also erigiert sein, aber der Orgasmus ist verboten (hauptsächlich für Männer, die mit der Erektion weniger Schwierigkeiten haben, aber nur schwer kommen können, und für Menschen, die im Allgemeinen Leistungsdruck spüren). Auch hier geht es darum, herauszufinden, was eigentlich gefällt und welche Handlungen man eigentlich mag - unabhängig davon, wie „effektiv“ sie sind. Kurz bevor er also kommt, gibt er ein Zeichen und es wird aufgehört und etwas anderes gemacht. Erst nach einigen Sekunden oder Minuten darf weitergemacht werden. Es kann eine sehr interessante Erfahrung sein, herauszufinden, was man eigentlich empfindet, wenn es nicht darum geht, wie effizient eine Handlung ist und der Orgasmus nicht mehr das „Ziel“ ist.

  6. Zusätzliche Utensilien Bedenkt auch, dass ein Blowjob nicht nur das sein muss - ihr könnt ihn auch mit Spielzeugen und anderen Utensilien verbinden. Dazu zählen Penisbondage oder ein Penisring, um die Erektion zu unterstützen. Gerade die Penisbondage kann zudem ein sehr intimes Erlebnis sein, das die Sexualität bereichert und die Empfindungen verstärkt (wenn ihr euch für Anleitungen dazu interessiert und Videos sehen möchtet, schreibt mir kurz, dann schicke ich euch Infos zur Anmeldung in meinem Online Kurs oder dem einmaligen Erwerb meiner Video-Reihe „Penisbondage“). Darüber hinaus könnt ihr Vibratoren oder andere Sextoys ausprobieren und herausfinden, was euch und eurem Gegenüber gefällt. Spannend und nicht zu vergessen sind hier auch Analplugs, die einfach nur währenddessen eingeführt und getragen werden können, was zu einer intensiven Empfindung führen kann.

  7. BDSM Spiele Wenn euch Blowjobs insgesamt nicht reizen, sondern ihr das Bedürfnis nach etwas mehr Intensität habt oder eine bestimmte Vorliebe einbauen möchtet, kann auch BDSM eine spannender Bereich für euch sein. Vielleicht liegen masochistische Neigungen vor oder Schmerz bzw. Lustschmerz ist einfach nur eine spannende, intensive Ergänzung zur eigentlichen Empfindung. Vielleicht reizen euch bestimmte Materialien, wie Latex oder Lack, die ihr einbauen könnt. Vielleicht mögt ihr es als Mann, dabei gefesselt zu sein und euch eher ausgeliefert zu fühlen. Vielleicht kickt es euch als Mann auch, Frauenkleidung anzuziehen, dann ist vielleicht das Tragen von Nylonstrümpfen dabei reizvoll, oder, oder, oder. Wenn ihr Vorlieben oder Neigungen habt, die ihr in den üblichen Beiträgen dazu nicht findet, bedeutet das nicht, dass ihr „komisch“ seid - sondern nur, dass sonst niemand darüber spricht. Probiert euch aus und seid offen und wertfrei gegenüber euren eigenen Gedanken und den Gedanken eures Partners/ eurer Partnerin. Geht in die ehrliche Kommunikation und findet gemeinsam heraus, wo eure Bedürfnisse euch hinführen.

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